Historie

30 Jahre Schuldnerberatung in Herne

Die Beratung überschuldeter Menschen ist seit Anfang der 80-er Jahre ein immer wichtiger werdender Bereich der Sozialberatung geworden. Ohne professionelle Hilfe bleiben Betroffene in Isolation und Armut gefangen.

Der Kirchenkreis Herne erkannte früh, dass nur eine professionelle Beratung und Hilfe den Menschen die Wiedereingliederung in die Gesellschaft ermöglicht. Die Schuldnerberatung begann 1987 mit einem kleinen Team:
man hatte noch deutlich mehr Zeit für persönliche Gespräche, Hausbesuche und flankierende Maßnahmen.
Existenzsicherung der Hilfesuchenden stand damals wie heute an erster Stelle. Steigende Arbeitslosenzahlen bedeuteten eine stetig wachsende Zahl von  Ratsuchenden.

Jeder 10. Haushalt ist überschuldet – seit 1993 hat sich die Zahl der überschuldeten Menschen mehr als verdoppelt.

Von 2005 bis 2009 betrug die Fallzahlsteigerung der Insolvenzfälle 92,2 %!
Mit 14,2 % liegt die Zahl der überschuldeten Menschen über der Zahl der Arbeitslosen in Herne mit rd.13 %.

Der stetigen Arbeitsverdichtung wurde u.a. durch Stundenaufstockungen in der Beratung begegnet. Das Team arbeitet an der Grenze der Belastbarkeit.

Zunehmende Überschuldung breiter Bevölkerungsschichten hat sowohl strukturelle als auch individuelle Ursachen:
Verursachten bisher vorrangig der Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung oder Krankheit die Überschuldung, so ist heute überwiegend Einkommensarmut der Hauptauslöser für Zahlungsunfähigkeit.

Die liberalisierte Wettbewerbsgesellschaft, die den Privathaushalten die Kreditaufnahme aufdrängt, trägt zur Überschuldung bei. Schließlich spielt der private Konsum eine wichtige Rolle für eine florierende Volkswirtschaft.

Bis 1999 war die Arbeit der Schuldnerberatung im Wesentlichen von individuellen Vergleichsverhandlungen mit Gläubigern geprägt. Seit der Einführung des Insolvenzverfahrens 1999 besteht auch für Privatleute eine realistische Chance, von Schulden befreit zu werden. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Bedingungen, die ein Schuldner/in erfüllen muss. Nicht jeder Klient/in hat gut sortierte Unterlagen und bietet die persönlichen Voraussetzungen um 6 Jahre des Verfahrens erfolgreich überstehen zu können.

1999 ist auch das Gründungsjahr des Vereins “Schuldnerberatung Herne e. V“.
Ziel war und ist, die finanzielle Absicherung der Schuldnerberatung über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Aufwandsbeteiligungen. Herner Gewerkschaften (ver.di und IG Metall), Kirchengemeinden und einzelne Firmen unterstützen, durch die Übernahme der Aufwandsbeteiligungen, die Arbeit der Schuldnerberatung.

Mit der Einführung von ALG II und entsprechenden Fördermaßnahmen der ARGE/heute Jobcenter können über die Schuldnerberatung Vermittlungshemmnisse beseitigt werden. Davon machen zahlreiche Mitbürger/Innen Gebrauch. Die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Jobcenter ist von Vertrauen geprägt.